Spielwarenmesse: Bei Modellbahnen ist die Luft raus…

…und raus sind auch die ersten Neuheiteninfos. Wir haben uns zwar ein paar Tage Weihnachtsferien vorgenommen. Doch so ganz abschalten, das ging nicht und das geht nicht, denn aufmerksam verfolgen auch wir, ob wir uns auf eine Spielwarenmesse 2022 einrichten können oder nicht. Schon lange stand Nürnberg für die Großbahner längst nicht mehr im Zentrum des Interesses.

Und nun rückt Corona die Spielwarenmesse noch weiter aus dem Fokus – nichts verdeutlicht das mehr als diese Abbildung. Das hier ist keine Planungsvorlage für eine neue Gartenbahnanlage. Das hier ist der Belegungsplan der Spielwarenmesse in der angestammten Modellbahnhalle 7A, Stand 30. Dezember, 12 Uhr. Alles, was hier grün leuchtet, ist freie Fläche. Und nicht alles, was hier als weiße Rechtecke eingezeichnet ist, ist auch erkennbar belegt – denn für etliche eingezeichnete Standplätze sind „keine Angaben“ hinterlegt. Den größten Stand belegt Tamiya, bei den Modellbahnherstellern hielten zum erwähnten Zeitpunkt noch Fulgurex (0, 1), Heris (H0) und Piko als Vollsortimenter die Fahnen hoch. Und dann gibt es noch den Gemeinschaftsstand der Kleinserienhersteller, über dessen Belegung nichts bekannt ist. Kurz vor Weihnachten hatten namhafte Hersteller, darunter Roco/Fleischmann und Märklin mit seinen Marken Trix und LGB ihre Teilnahmen unter Hinweis auf die aktuelle Entwicklung der Pandemie abgesagt. Zu Zeiten ihrer Einweihung vor gut zwei Jahrzehnten war die Halle 7A auf einer Fläche mit 8.800 Quadratmetern voller Modellbahnen, hinzu kamen  nennenswerte Ausweichflächen in der benachbarten Halle 7.

Und nun? Gähnende Leere. Wer sich nur für Eisenbahnmodelle und Modellautos interessiert, der kann den Eindruck haben, die Messe lohne sich jetzt nicht mehr. Doch der Blick in andere Messehallen vermittelt ganz andere Eindrücke – da sieht es noch voll aus. Zumindest planerisch. Die Erosion der Aussteller, sie betrifft nach unserer Beobachtung vor allem den „grünen Bereich“ im Farbleitplan der Messe, also Modelleisenbahnen und Modellautos.

Wir schenken uns daher die Fahrt nach Nürnberg, bedauern aber das Ausbleiben persönlicher Gespräche, die eine Messe so wertvoll machen. Informieren werden wir Sie, liebe Leser des Gartenbahn Profi, natürlich in gewohnter Form, auch über Neuheiten von kleinen Herstellern, die nicht in Nürnberg auftreten können. Und gemeinsam mit Ihnen verfolgen wir auch, was demnächst die Hersteller selbst auf ihren eigenen Internetseiten präsentieren. Oder schon publiziert haben. Bei Piko war die Rubrik „Neuheiten 2022“ schon seit ein paar Tagen eingerichtet, nun ist sie auch mit Informationen gefüllt. Formneuheit wird die 94 1292, der „Rennsteighirsch“, eine fünffach gekuppelte Güterzug-Tenderlok. Bei Piko wird es neben der BR 95 und der BR 50 die dritte Dampflok mit fünf Kuppelachsen. Die komplette Neuheitenübersicht finden Sie hier bei Piko.

Und damit haben wir ihn wieder, den alljährlichen Stoff für Diskussionen. Die einen wurden endlich erhört, die anderen hoffen – auf 2023. Vielleicht sieht dann der Hallenplan in Nürnberg wieder gefüllter aus. Doch ob mit oder ohne Messe: Mein Hauptwunsch bei Piko war diesmal übrigens nicht dabei. Dennoch freue ich mich über die 94 1292. Im Herbst 1998 hatte ich unverhofft die Gelegenheit, ihrem langjährigen Meister Eberhardt Mühlan (im Bild) auf dem DB-Nostalgiekurs „Bergischer Löwe“ ab Düsseldorf über die Schulter zu schauen. Wuppertal, Remscheid, Solingen – hier lagen Besonderheiten wie die Steilrampe Erkrath–Hochdahl und die berühmte Müngstener Brücke auf dem Kurs. Zum Erscheinen dieses Lokmodells werden Sie an diesem Fahrterlebnis vor fast einem Vierteljahrhundert teilhaben können. Das Original ist übrigens rollfähig im Eisenbahnmuseum Arnstadt erhalten. Eine lesenswerte Story über Meister Mühlan und den Rennsteighirsch können Sie übrigens in der aktuellen Ausgabe 1/22 von BahnExtra lesen.

Kommen Sie gut ins Neue Jahr – und bleiben Sie wohlauf!