163 km/h auf Meterspur, 210 km/h auf Kapspur

Screenshot aus dem Video zur Rekordfahrt: Tempo 163 wird erreicht. Quelle: Märklin

Wie viele Weltrekorde wird der neue RhB-Triebzug Capricorn wohl aufstellen? Am 29. Oktober 2022 wird der Versuch unternommen, aus 25 vierteiligen Triebzugeinheiten den längsten Personenzug der Welt auf die Reise zu schicken, um einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekord zu erreichen. Doch es wird nicht der erste Rekord(versuch) sein. Schon jetzt hat der moderne Triebzug, ganzer Stolz der RhB im Sinne eines leistungsfähigen Transportunternehmens, eine Bestleistung in Sachen Geschwindigkeit erzielt: Bei Testfahrten im Vereina-Tunnel erreichte der Triebzug 3113 „Calanda“ ein Tempo von 163,02 km/h und stellte damit einen neuen Geschwindigkeitsrekord für Meterspur-Bahnen auf. Darüber informierte zuerst Märklin, dessen Großbahnmarke LGB ein Modell des Triebzugs produzieren wird (der Gartenbahn Profi berichtete).

So schnell war bisher noch nie eine Meterspur-Bahn in Europa gefahren. Ideal für die Rekordfahrt war der 19,2 Kilometer lange Vereina-Tunnel, der Klosters im Prättigau mit Sagliains im Engadin verbindet. Am 8. Juli abends starteten die Teams mit ihren Vorbereitungen – den Tunnel ließ die RhB eigens für die Versuchsfahrten sperren. Für den Rekordversuch ausgewählt wurde der Triebwagen 3113 „Calanda“, der mit einer Vielzahl an Meßgeräten und Sensoren auf die Rekordfahrt ging, berichtet Märklin auf der LGB-Website. Als geladene Gäste an Bord des Zuges konnten unter anderem Vertreter von Märklin/LGB an der Rekordfahrt teilnehmen, unter ihnen auch Geschäftsführer Wolfrad Bächle, der zusammen mit RhB-Chef Dr. Renato Fasciati den Triebwagen am 12. September 2021 auf den Namen „Calanda“ getauft hatte.

163 km/h, das ist ein Tempo, das weit über dem Alltagstempo von Meterspurbahnen liegt, das in Europa oftmals zwischen 30 und 80 km/h beträgt, streckenweise bis 120 km/h. Auch für ihr Großprojekt Albulatunnel II gibt die RhB als mögliche Höchstgeschwindigkeit in der Röhre 120 km/h an – das ist übrigens die regulär angegebene Höchstgeschwindigkeit des Capricorn, der jetzt 163 km/h erreichte.

In Australien bis Tempo 210

Tempo machen und machten auch andere. So stellte 1954 eine Dampflokomotive der Klasse C62 der Japanese National Railways (JNR) mit der Achsfolge 2’C2’ „Hudson“ den Weltrekord für eine Schmalspur-Dampflok auf. Sie erreichte auf der Kapspur von 1067 mm eine Geschwindigkeit von 129 km/h. Auch heute erreichen viele in Kapspur ausgeführte Bahnen – so in Japan und Südafrika – Leistungen, die an europäische Normalspurbahnen (1435 mm) heranreichen oder sie sogar übertreffen. Auf Kapspur erreichen Personenzüge in Japan bzw. Südafrika übrigens regulär Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h. Im australischen Bundesstaat Queensland sprinten die Neigezüge der Bahngesellschaft Aurizon (hervorgegangen aus QR Limited) diese 160 km/h nicht nur im Alltag. Schon 1999 stellte ein Zug der damaligen QR mit 210 km/h den australischen Geschwindigkeitsrekord für Eisenbahnen auf – auf 1067 mm Kapspur, nur 67 mm breiter als die Meterspur. Schmalspurbahnen sind also längst nicht nur Bimmelbahnen für Blumenpflücker…